June 2007


guten tag, hier spricht die stimme aus dem off, der faulenzierende beifahrerparasit des philiepeltschen kontinentaldurchquerungsjointventures (immer stramm basisdemokratisch – dem taeglichen kampf darum, wer von uns beiden die basis ist, erlegen)

winnipeg ist eine haessliche stadt. bis auf ein ansehnliches parlamentsgebaeude im viktorianischen standardschick und die einigermassen pittoreske fassade der st.-boniface-kathedrale im oestlichen, frankophonen teil der halbe-million-metropole gibt es nur malls, finanzdistrikt mit hochhaeusern, der konkrete dschungel – ich bin ein backpacker, holt mich hier raus, argggghhh, ein paar museen (im sehr duerftigen ukrainian heritage center und science museum weilten wir kurz). strassenflair definierte sich nur ueber stickige automaschinationen. wir liefen am ende noch an einer verkuemmert-trostlosen parkruine vorbei. in der abgestandenen wasserlache eines verranzten schwimmbeckens spiegelte sich die nebenstehende bibliothek und haeserschluchten zu einer monstroesen ungetuemelei verzerrt – ein symptomatisches (un)sinnbild, das sich in unser beider kollektives weltensammlergedaechtnis als ephemerer furz psychogeographischer gegenwaertigkeit breitgeschlagen hat. 

danach ergriffen wir schnell die flucht und waren nach 200 km auch in ontario. zunaechst naechtigten wir hinter kenora am lake on the woods – ein paradies fuer muecken und stechfliegen, wie so oft in kanada im umfeld von waeldern und seen. danach ging es weiter richtung thunder bay, die westlichste stadt am oberen see, den es fuer uns nun in unserer blauen vergesellschachtel prousti zu umkurven galt. in thunder bay ist der ganzen strand mit industrie zugekleistert, sehr verdrussstimmend. wir zelteten auf der nahen halbinsel an einem kleinen see – um die ecke befindet sich dort der sleeping giant, ein 150 meter hoher stein, der monumental in den oberen see hineinragt (wir waren nicht dort, aber auf dem parkplatz vor dem wanderweg, man haette aber noch 6km laufen muessen und wir wollten auch mal wieder die zeltkosten prellen, also nein). danach ging es am oberen see entlang weiter richtung pukaskwa nationalpark. in rossport stoppten wir zum telephonieren, ein wunderschoen verschlafenes, skandinavisch anmutendes nest, einfach zum knuddeln und kontemplieren schoen (beckbodengymnatik auf dem steg ist weiterzuempfehlen!). die landschaft ist hier vorzugsweise aus kantigen, bebaeumten gesteinsformationen, gigantomanischen canyons (z.b. quimet) und blicken auf den oberen see zusammengeschraubt – fuer augenblicks-affine sensualisten wie uns wunderschoen, im trott staendiger wiederkehr des immergleichen dann aber auch relativ anoedend und die hunderte von kilometern wollten einfach nicht wegflutschen. weiterhin bemerkenswert, dass jede siedlungseinheit aka dorf bzw. kaff wie zu zivilisierten selbstrechtfertigung die einwohnerzahl auf dem ortsschild verbrieft hat. ausserdem sind die meisten strassen nach den besitzern benannt. nach erfolgreicher passage des oberen sees ging es ueber sault ste marie nach thessalon, wo wir an einem wunderschoenen see kampierten. der zeltplatz wurde von einem bajuwarischen auswanderpaerchen betrieben – der grau-mellierte patriarch verscheute vor der weiterfahrt dankenswerterweise die muecken mit einem giftspray aus unserem auto. nach einem zwischenstopp auf manitolin island setzten wir mit der faehre auf die bruce peninsula ueber, wobei eine rangerin ureinwohnender provenienz tollkuehn-obskur-kakophon von einem grossen biber, der hiernieden hausen solle – ein wunderhaft wahres maerchen. dann rollten wir mit ritterlichem edelmut toronto entgegen, stemmten uns mit unserm treuen esel gegen den 12-spurigen highway und die erektile regsamkeit der stop’n'go-quaengelei. nach eincheckenim hostel vermassen wir die innenstadt per pedes. das befuesseln unterlag wiederum der diktatur des rechten winkels, trotzdessen ist das (wirklich vorhandene) strassenflair durchzogen von multipler zugehoerigkeit – kaum verwunderlich, dass marshall mcluhan hier einst das gefluegelt bonmot vom “globalen dorf” ersann. strassencafes, restaurants und maerkte jeglicher ethnischer facon und alles von piekefeiner sauberkeit gepraegt, kaum bettler auf den strassen, die schoenste nordamerikanische grossstadt bisher. so war dann auch der fahrstuhlfuehrer im cn-tower sofort entzueckt, als ich toronto ggue. vancouver ausdruecklich ruehmte. der cn-tower ist das hoechste von menschenhand erbaute freistehende gebaeude der welt (stattliche 553m ragt die antenne in den himmel). auf der obersten aussichtsplattform (457m  ueber normalnull) konnten wir zur abendlichen erbauung  den sonnenuntergang geniessen. es liessen sich die staedte auf der anderen seite des ontario-sees erspaehen, so z.b. rochester im us-staate new york. toronto ist eine sehr gruene stadt – sehr viele baeume und parks, auch die hafenpromenade ist wunderschoen, zumal mensch sich mit blick auf die kleine vorgelagerte inselgruppe wie an der mecklenburger seenplatte vorkommt – einen kleinen sandstrand gibt es auch, ein wahrer gaudi fuer kontemplativ-arbeitsscheue genussmenschen. das finanzdistrikt mit stahl- und glasriesen im ruecken und vorne raus das stille stadtparkglueck, toronto, we are yours…….soviel zum neuesten situationistischen verharrungsprojekt, die holde nomadologie wird bald weiter fortgestrickt, zunaechst lassen wir uns aber einmal von rockigen klaengen in der hiesigen hostelbar (die haben auch nen ganz duften biergarten) in das reich des schlafes katapultieren…..auf bald, der klobige trottel (also der phlipson, bezieht sich nicht auf das unterstehende photo, obwohl dies recht verzerrt ist, sorry, hauptsache spass an der freude!)

leaving jasper…fiel uns schwer…bei DEM regen KANN man einfach gar nicht wegwollen…aehm…na ja, nein es gab noch einiges zu sehen.

zb den lake maligne…woa geiles teil, lang und so…der schoenste teil aber erst nach ner h mitm schiff sichtbar…bei regen und kaum andrang ist der spass da nich soooo gross und deshalb haben wirs beim einen ufer belassen (das war auch schoen)
danach sind wir mal in die jasper’sche terme geschwommen, haben die sachen gleich angelassen und….nein also das nicht aber war echt gut, nach ner woche wildcampen…und auch bei dem feuchtkuehlen wetter draussen ist so ein whirpool und nen dampfbad UND ne wasserrutsche echt wohltuend. abends musste man sich dann doch wieder das essen unter dem schirm koecheln…aber der prophangasler haucht der bueche schon waerme ein! 

am naechsten tag sind wir noch zum maligne canyon, eine kalksteinschlucht die von 6 bruecken ueberquert werden kann….4h wandern, yeah! beeindruckende wasserfaelle, und ein bisschen schnee gab es auch zu sehn. danach am lake annett (oh wie wird der geschrieben?) mittagessen und zurueck zum basislager…zum letzten mal, am naechsten tag sollte es raus aus jasper gehen…ein bisschen eher als am vortag, um diesmal NICHT erwischt zu werden, nichts bezahlt zu haben…*raeusper*

deshalb haben wir das fruehstueck woanders eingenommen, an dem tag, an dem in canada ganz viele freiwillige ihr land sauber machen…ueberall entlang des highways, sehr gute sache wie ich meine!
nunja, das schwimmbad war ja ganz toll, aber….heisse quellen sind doch noch was andres, also haben wir nach jasper nochmal einen kleinen bogen geschlagen, und neben der strasse einen braunbaeren  gesehen…echt gross so ein pummelig anmutender batzen fell. hinter dem auto kam auch noch einer ueber die strasse gehuscht, den hat das objektiv aber nicht mehr bekommen….dafuer dann die ziegen auf dem parkplatz.

haben uns anschliessend vor edmonton im wall mart noch ne regenfolie gekauft (sollte sich lohnen) fuer das zelt…und haben den brussi in ein raumschiff verwandelt…man koennte es auch abtapen der rostloecher nennen.

edmonton also…was gibts dazu zu sagen? ne geile shopping mall haben die (die groesste der welt, jaja)…nein im ernst, wider dem ganzen kapital und aller verkaufstricks der abzockenden geldbonzen…die mall ist wirklich mal krass, mit piratenschiff drin, und u-booten, und ne eisbahn, und seeloewen, und ne achterbahn und nen vergnuegungsland und…n IMAX und ach ja auch 800 laeden.

schon echt krass ABER man verlauft sich nicht, gut konstruiert. ansonsten ist edmonton nicht so…also…wie jede andre stadt hier eben auch…na ja..eckig rechtwinklig.

danach haben wir uns saskatoon angesehen (ebenfalls nicht SOO spektakulaer) und dazwischen irgendwo das zelt aufgeschlagen, wo wir eben grad wollten, abseits des highways. ach ja in saskatoon haben die boomtown 1910 nachgebaut…saskatoon vor 100 jahren, sehr sehenswert (alte autos und haeuser).

in regina war das land immernoch nicht viel anders…nunja, die queen war dort und der park mutet ein wenig britisch an.

jetzt sind wir in winipeg, schauen es uns morgen an und setzten unsre reise auf dem TCH weiter fort, gen ontario…und toronto, mit den niagarafaellen.

bis bald,

martin

ein langer text..hey es gibt uns noch!
allso..wo anfangen? also der greyhoundstreik hat ein ende genommen und so konnten wir mit dem tofinobus zur faehre nach nanaimo fahren, um dann in vancouver zwischenzustoppen, weil der greyhound nach kelowna bzw west bank so lange faehrt, am naechsten tag dann. haeh?
ja also ucluelet – kelowna ist eine zu lange strecke und deshalb haben wir in vancouver nochmal uebernachtet.
im bus von der faehre nach vancouver (denn man kommt ein wenig ausserhalb an und muss den stadtbus bis rein nehmen) haben wir daniel und miriam getroffen, die ein gutes chinesisches restaurant empfohlen haben…und dem haben wir uns dann angeschlossen. ein paar pitcher und kneipen weiter sind wir zum nem beruehmten skateladen gekommen (hinzus auch schon vorbei gelaufen…ich kannte ihn nicht, die skatercommunity MUSS ihn aber kennen, mit halfpipe drinnen) und eine verkaeuferin war noch drinnen, und hat uns mal eben im dunkeln stoebern lassen, war ganz gut.
dann also nach 3h schlaf (urgs) mit dem wieder fahrenden greyhound nach kelowna, wo das auto steht! juhuu…und von der bushaltestelle bis zum haus ist es nicht weit..juhuuu, da macht das schleppen in der hitze mit den ganzen sachen an gar nichts aus..juhuuuuu….IRRTUM, 2h durch west bank sind wir gelaufen..nichtjuhu!
aber der ort ist echt erste sahne, miami-like…n bisschen zumindest, ich war noch nicht da…NOCH…hehe..
aehm jap, und da stand es also, ein 20 jahre alter chevrolet monte carlo, mit ein bisschen rost und er verliert kuehlwasser (gibt aber viele baeche hier) wurde zu meinem ersten auto ^^
(also weils auf mich zugelassen ist..).
wir konnten bei otto und trudi unterkommen, denen das haus gehoert (wunderschoene lage uebrigens) in dem auch anja und fabian (die ex-eltern von “brussi”…ja so heisst das auto) gewohnt haben. einen grandiosen abschluss gabs dann als und otto (der sich wirklich um das auto nochmal gekuemmert hat, es nochmal gecheckt hat, damit wir auch, trotz der macken des 20 jahre alten wagens, gut ankommen, DANKE nochmal!!) mit seinem boot zum wasserski mitgenommen hat…whooohooooo!! immerhin hab ich mich (stolz*) 2 minuten lang gehalten, und das ist echt nicht leicht wenn mans noch nie gemacht hat!

am naechsten tag haben wir nochmal getankt (hinter dem hinteren nummernschild btw…tolle sache) und nen riesen campingeinkauf gemacht, denn ab nun sind wir in der wildnis.

wir sind am ersten tag bis revelstoke gekommen, dann hat sich brussi der weiterfahrt verweigert (dampfend und schaeumend..) nunja, da haben wir eben am staudamm gezeltet, war echt genial, einfach zelt auf und fertig. man muss nur etwas abseits kochen, wegen der baeren, dass sie nicht ins zelt kommen, nahrungsmittel sind aber alle im kofferraum und bisher gabs auch noch nie schlechte erfahrungen mit baeren, im gegenteil.

weiter gings nach yoho und banff, die landschaft ist ueberwaeltigend! die tierwelt auch, seht euch einfach die fotos an! kilometer lange zuege praegen ebenso das bild wie gigantische schneefelder, durch die man auch noch mit kurzen hosen laufen kann. das camping verlaeuft, dank “kasse des vertrauens” auf campingplaetzen, die gut ausgestattet sind (mit duschen und feuerstellen und sogar feuerholz zur freien verfuegung…mit fire permit..die 8$ haben wir ebenso gespart) kostenlos, oder wir zelten eben einfach so, da wo wir grad halten wollen..natuerlich nicht grad im mueckendickicht oder an stellen wo baeren eher zu vermuten sind, die sind aber im allgemeinen eher scheu! lake louis ist ueberwaeltigend, der moraine lake ebenfalls!


nun sind wir in jasper, vorbei an grossen wasserfaellen, genialen aussichtspunkten, gletschern (columbia icefields) und das auto haelt noch. wir wollen jetzt ca 2 tage hier bleiben (es soll ab mittwoch kalt werden, und wir machen uns dann auf den weg nach edmonton, dann nach saskatoon und regina nach winnipeg und schliesslich toronto mit den niagarafaellen.
soweit erstmal der plan, anfang juli sind wir also im osten. bis dahin habe ich viel ueber den aufbau und die funktionsweise eines autos gelernt, denke ich, vieles reparieren wir bestimmt auch selbst..ach ja, und die umstellung auf nen automatikwagen ist furchtbar!

hier noch die athabasca falls:


ich hab hunger, und das liesst man auch.. na ja, ich lasse mal wieder die fotos sprechen.
vielleicht faellt mir das ein oder andre noch ein und das schreibe ich dann dazu
martin