guten tag, hier spricht die stimme aus dem off, der faulenzierende beifahrerparasit des philiepeltschen kontinentaldurchquerungsjointventures (immer stramm basisdemokratisch – dem taeglichen kampf darum, wer von uns beiden die basis ist, erlegen)
winnipeg ist eine haessliche stadt. bis auf ein ansehnliches parlamentsgebaeude im viktorianischen standardschick und die einigermassen pittoreske fassade der st.-boniface-kathedrale im oestlichen, frankophonen teil der halbe-million-metropole gibt es nur malls, finanzdistrikt mit hochhaeusern, der konkrete dschungel – ich bin ein backpacker, holt mich hier raus, argggghhh, ein paar museen (im sehr duerftigen ukrainian heritage center und science museum weilten wir kurz). strassenflair definierte sich nur ueber stickige automaschinationen. wir liefen am ende noch an einer verkuemmert-trostlosen parkruine vorbei. in der abgestandenen wasserlache eines verranzten schwimmbeckens spiegelte sich die nebenstehende bibliothek und haeserschluchten zu einer monstroesen ungetuemelei verzerrt – ein symptomatisches (un)sinnbild, das sich in unser beider kollektives weltensammlergedaechtnis als ephemerer furz psychogeographischer gegenwaertigkeit breitgeschlagen hat.
danach ergriffen wir schnell die flucht und waren nach 200 km auch in ontario. zunaechst naechtigten wir hinter kenora am lake on the woods – ein paradies fuer muecken und stechfliegen, wie so oft in kanada im umfeld von waeldern und seen. danach ging es weiter richtung thunder bay, die westlichste stadt am oberen see, den es fuer uns nun in unserer blauen vergesellschachtel prousti zu umkurven galt. in thunder bay ist der ganzen strand mit industrie zugekleistert, sehr verdrussstimmend. wir zelteten auf der nahen halbinsel an einem kleinen see – um die ecke befindet sich dort der sleeping giant, ein 150 meter hoher stein, der monumental in den oberen see hineinragt (wir waren nicht dort, aber auf dem parkplatz vor dem wanderweg, man haette aber noch 6km laufen muessen und wir wollten auch mal wieder die zeltkosten prellen, also nein). danach ging es am oberen see entlang weiter richtung pukaskwa nationalpark. in rossport stoppten wir zum telephonieren, ein wunderschoen verschlafenes, skandinavisch anmutendes nest, einfach zum knuddeln und kontemplieren schoen (beckbodengymnatik auf dem steg ist weiterzuempfehlen!). die landschaft ist hier vorzugsweise aus kantigen, bebaeumten gesteinsformationen, gigantomanischen canyons (z.b. quimet) und blicken auf den oberen see zusammengeschraubt – fuer augenblicks-affine sensualisten wie uns wunderschoen, im trott staendiger wiederkehr des immergleichen dann aber auch relativ anoedend und die hunderte von kilometern wollten einfach nicht wegflutschen. weiterhin bemerkenswert, dass jede siedlungseinheit aka dorf bzw. kaff wie zu zivilisierten selbstrechtfertigung die einwohnerzahl auf dem ortsschild verbrieft hat. ausserdem sind die meisten strassen nach den besitzern benannt. nach erfolgreicher passage des oberen sees ging es ueber sault ste marie nach thessalon, wo wir an einem wunderschoenen see kampierten. der zeltplatz wurde von einem bajuwarischen auswanderpaerchen betrieben – der grau-mellierte patriarch verscheute vor der weiterfahrt dankenswerterweise die muecken mit einem giftspray aus unserem auto. nach einem zwischenstopp auf manitolin island setzten wir mit der faehre auf die bruce peninsula ueber, wobei eine rangerin ureinwohnender provenienz tollkuehn-obskur-kakophon von einem grossen biber, der hiernieden hausen solle – ein wunderhaft wahres maerchen. dann rollten wir mit ritterlichem edelmut toronto entgegen, stemmten uns mit unserm treuen esel gegen den 12-spurigen highway und die erektile regsamkeit der stop’n'go-quaengelei. nach eincheckenim hostel vermassen wir die innenstadt per pedes. das befuesseln unterlag wiederum der diktatur des rechten winkels, trotzdessen ist das (wirklich vorhandene) strassenflair durchzogen von multipler zugehoerigkeit – kaum verwunderlich, dass marshall mcluhan hier einst das gefluegelt bonmot vom “globalen dorf” ersann. strassencafes, restaurants und maerkte jeglicher ethnischer facon und alles von piekefeiner sauberkeit gepraegt, kaum bettler auf den strassen, die schoenste nordamerikanische grossstadt bisher. so war dann auch der fahrstuhlfuehrer im cn-tower sofort entzueckt, als ich toronto ggue. vancouver ausdruecklich ruehmte. der cn-tower ist das hoechste von menschenhand erbaute freistehende gebaeude der welt (stattliche 553m ragt die antenne in den himmel). auf der obersten aussichtsplattform (457m ueber normalnull) konnten wir zur abendlichen erbauung den sonnenuntergang geniessen. es liessen sich die staedte auf der anderen seite des ontario-sees erspaehen, so z.b. rochester im us-staate new york. toronto ist eine sehr gruene stadt – sehr viele baeume und parks, auch die hafenpromenade ist wunderschoen, zumal mensch sich mit blick auf die kleine vorgelagerte inselgruppe wie an der mecklenburger seenplatte vorkommt – einen kleinen sandstrand gibt es auch, ein wahrer gaudi fuer kontemplativ-arbeitsscheue genussmenschen. das finanzdistrikt mit stahl- und glasriesen im ruecken und vorne raus das stille stadtparkglueck, toronto, we are yours…….soviel zum neuesten situationistischen verharrungsprojekt, die holde nomadologie wird bald weiter fortgestrickt, zunaechst lassen wir uns aber einmal von rockigen klaengen in der hiesigen hostelbar (die haben auch nen ganz duften biergarten) in das reich des schlafes katapultieren…..auf bald, der klobige trottel (also der phlipson, bezieht sich nicht auf das unterstehende photo, obwohl dies recht verzerrt ist, sorry, hauptsache spass an der freude!)